Interkultureller Hintergrund
Interview mit Janine Zellner
Leiterin des interkulturellen Begleitprogramms der Uni Tübingen
Wenn man sich versucht, in eine andere Kultur einzuleben, kann es zu einer Vielzahl an Schwierigkeiten kommen. Interkulturelle Reibereien und Herausforderungen stehen dabei an der Tagesordnung. Aber genau in diesen Unterschieden liegt das große Lernpotenzial. Deshalb habe ich vor, während und nach meinem Auslandsaufenthalt in Australien bei Janine Zellner den Kurs Interkulturelle Kompetenzentwicklung besucht. Darin hat sie uns interkulturelle Knackpunkte nähergebracht und uns so auf Dinge wie den Kulturschock oder interkulturelle Missverständnisse vorbereitet. Ohne diese Vor- und Nachbereitung sowie Begleitung während des Aufenthaltes hätte ich sicherlich weniger aus meinem Auslandssemester mitgenommen. Deshalb habe ich sie für euch noch einmal zu diesem Thema interviewt.
Kulturschock
Bei einem Auslandsaufenthalt wird man aus seinem gewohnten, sicheren Umfeld herausgerissen und alleine in eine komplett neue Umgebung gesteckt, in der man versucht, irgendwie klarzukommen. Das kann einem je nach Persönlichkeit und je nachdem, wie ähnlich die Gastkultur zur Heimatkultur ist, leichter oder schwerer fallen. Bei diesem neuen Orientieren und Kalibrieren machen wir unter Umständen verschiedene Phasen durch, die sich bei Auslandsreisenden oft ähneln. Mit Janine Zellner habe ich besprochen, was diese Phasen eines Kulturschocks genau beinhalten und wie man am besten mit ihnen umgehen kann.
Wie lerne ich neue Leute kennen? Und warum Kultur nicht alles ist.
Was auf alle Auslandsreisende zukommt: Neue Menschen kennen lernen und neue Freunde finden. Das kann je nach Kultur ganz unterschiedlich funktionieren. Die große Frage ist hierbei, wer geht auf wen als erstes zu?
Aber nicht nur die Kultur beeinflusst unser Verhalten im Allgemeinen. Die Persönlichkeit und die speziellen Situationen spielen dabei eine genauso große Rolle.
Darüber habe ich mit Janine in diesem Teil des Interviews gesprochen.
Unikultur: Verhältnis Dozenten – Studierende
Die Universität stellt noch einmal eine ganz besondere, eigene Kultur dar. Diese Universitätskultur des Gastlandes kann sich stark von der des Heimatlandes unterscheiden. Dabei können sich die Erwartungen von den Dozenten an die Studierenden und anders herum je nach Kultur stark unterscheiden. Janine erklärt uns hier, wo es zu möglichen Missverständnissen kommen kann.
Unterschiedliche Kommunikationsstile
Wie wir mit unserem Umfeld kommunizieren, sehen wir als ganz natürlich und selbstverständlich an. Wenn wir jedoch in eine fremde Kultur kommen, bemerken wir oft, dass die Art und Weise, wie Menschen der Gastkultur kommunizieren, von unserem eigenen Kommunikationsstil abweicht. Ich habe mit Janine darüber gesprochen, wie sich die Kommunikationsstile unterscheiden können und worauf wir diesbezüglich bei einem Auslandsaufenthalt achten können.
Unterschiedliche Zeitkonzepte
Gerade in der deutschen Kultur spielt Pünktlichkeit eine große Rolle. Dass dieses Zeitkonzept jedoch nicht das einzig gültige sein kann, bemerken wir oftmals erst, wenn alle anderen um uns herum im Gastland nach einem anderen Zeitkonzept leben. Was die unterschiedlichen Zeitkonzepte ausmacht, bespreche ich hier mit Janine.
Kulturdimension: Unsicherheitsvermeidung
Kulturen kann man im Hinblick auf verschiedene Aspekte vergleichen. Einer davon ist die Unsicherheitsvermeidung. Dabei untersucht man, wie eine Kultur mit Unsicherheiten umgeht. Sichert man sich für den Fall von etwaigen Unsicherheiten und Gefahren zum Beispiel mit einer Versicherung ab oder legt man es darauf an und lässt Unsicherheiten auf sich zukommen und macht dann erst das beste draus? Ich habe hier mit Janine darüber nachgedacht, wie unterschiedliche Kulturen unterschiedliche Konzepte der Unsicherheitsvermeidung haben können.
Kulturdimension: Machtdistanz
Wie hierarchisch oder wie egalitär die eigene Kultur aufgebaut ist, erfahren wir ebenfalls oft erst im Vergleich zu einer anderen Kultur. Je größer die Hierarchien sind, umso größer ist die Machtdistanz. Woran man das in der jeweiligen Kultur bemerken kann, habe ich hier mit Janine behandelt.
Individualismus vs. Kollektivismus und wie wir durch den Vergleich von Kulturen die eigene kennen lernen
Gerade wenn man Kulturdimensionen vergleicht, bemerkt man Folgendes ganz stark: Durch die Erfahrung einer unterschiedlichen anderen Kultur verstehen wir erst so richtig, was unsere eigene Kultur ausmacht. Darum und um eine weitere Kulturdimension, den Individualismus im Vergleich zum Kollektivismus, geht es in diesem Teil des Interviews.
Naturbezug
Oftmals kann man beobachten, wie sich der Bezug zu der Natur bei Auslandsreisenden verändert. Trompenaar beschreibt dies in seinen Kulturdimensionen interne und externe Kontrolle. Bei der internen oder inneren Kontrolle gehen Kulturen davon aus, dass sie die Natur beherrschen, kontrollieren und ihr ihren Willen auferlegen können. Im Gegensatz dazu gehen Kulturen bei der externen Kontrolle davon aus, dass die Natur ihr Leben beeinflusst, sie beherrscht und sie sich folglich ihr unterordnen und mit ihr kooperieren müssen. Wie sich diese Kulturdimensionen in konkreten Situationen bei Auslandsreisenden abzeichnen, zeigt Janine in ihrem Gespräch mit ihr auf.
Lernprozesse dank des Auslandsaufenthalts
Bei einem Auslandsaufenthalt lernt man nicht nur sprachlich extrem viel dazu, sondern auch menschlich. Welche Lernprozesse Janine bei Auslandsstudierenden beobachten konnte, erzählt sie uns hier.
Rückkehrtypen und der Re-entry Shock
Das Auslandssemester ist zwar zeitlich ab dem Heimflug vorbei, doch innerlich arbeitet es natürlich trotzdem weiter. So kann es zu einem Re-entry Shock kommen, einem Kulturschock beim Zurückkommen in die eigene Heimatkultur. Je nachdem was für ein Rückkehrtyp man ist oder in welcher Rückkehrphase man gerade steckt, ist man dafür anfälliger oder eben nicht. Wie die einzelnen Rückkehrtypen und -phasen und der Re-entry Shock aussehen können, erklärt uns Janine hier, im letzten Teil des Interviews.
